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Sternstunden der Mathematik: Gauß in Göttingen

gaussWer war eigentlich dieser Gauß, dem man in Göttingen auf Schritt und Tritt begegnet?
Einige können sich vielleicht noch an den 10 Mark-Schein erinnern, auf dessen Vorderseite ein Porträt von Carl Friedrich Gauß abgebildet war. Nur wenige hingegen erinnern sich wahrscheinlich daran, dass den Schein auf der Rückseite ein sogenannter Vizeheliotrop zierte, ein von Gauß entwickeltes Instrument für die Landvermessung. Viel mehr wiederum haben sicher das Buch Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann gelesen, das Gauß zu einer weltberühmten Romanfigur machte.

Auf die nicht fiktiven Spuren dieses Mathematikgenies begibt man sich, wenn man an der Themenführung Sternstunden der Mathematik teilnimmt, die von der Stadt Göttingen angeboten wird. Ein Studium der Mathematik wird nicht vorausgesetzt. Wache Augen und gespitzte Ohren reichen aus, um einzutauchen in die Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts, in der das wissenschaftliche Leben Göttingens nicht weniger pulsierte als heute.

1777 in Braunschweig geboren und bereits in jungen Jahren als mathematisches Wunderkind vom dortigen Herzog Karl Wilhelm Ferdinand gefördert, studierte Gauß in Göttingen und folgte später auch dem Ruf als Professor für Astronomie an die Universität seiner Studienzeit.

sternwarteVom Alten Rathaus führt die Tour entlang seiner ehemaligen Wohn- und Arbeitsstätten bis vor die Tore der Göttinger Altstadt. Unterwegs begegnet man wissenschaftlichen Weggefährten und Freunden wie etwa seinem Mentor und ebenfalls berühmten Göttinger Bürger Georg Christoph Lichtenberg oder dem Physiker Wilhelm Weber. Mit Weber arbeitete er Zeit seines Lebens sehr eng zusammen. So konstruierten beide den ersten elektromagnetischen Telegrafen, mit dessen Hilfe sie Nachrichten zwischen dem physikalischen Institut und der Sternwarte austauschen konnten, ohne dabei auf einen Boten angewiesen zu sein.

Die Sternwarte ist zugleich die vorletzte Station der Führung. Im 18. Jahrhundert noch weit vor der Stadt gelegen, diente sie Gauß nicht nur für astronomische Beobachtungen. Hier befand sich auch der von ihm festgelegte Nullpunkt des Königreichs Hannover, mit dessen Vermessung er beauftragt wurde. Als Wohnort diente sie ihm auch zuweilen als Ausrede, um nicht auf die von ihm ungeliebten Empfänge der Göttinger Gelehrten Gesellschaft fahren zu müssen. Man hätte sich auf dem weiten Weg in die Stadt schließlich erkälten können.

gauss-grabTrotz dieser Vorsichtsmaßnahmen starb Carl Friedrich Gauß im Jahr 1855. An seinem Grab auf dem Albani-Friedhof endet die unterhaltsame Führung durch das Leben dieses Astronomen, Mathematikers und Geodäten, dem zwar nur wenige von uns eigene Sternstunden im Mathematikunterricht, dem die Göttinger aber immerhin zwei lehrreiche Sternstunden über die Geschichte ihrer Stadt verdanken.

Wen das Gauß-Fieber gepackt hat, der kann an jedem zweiten Sonntag im Monat, jeweils um 11:00 Uhr, an einer Gauß-Führung teilnehmen. Karten gibt es vorab für 8,50 EUR in der Touri-Info im Alten Rathaus.

Zum Autor:
Erst 2010 vom dicken B zwischen Spree und Havel nach Göttingen gekommen, schätzt Kai den Zeitgewinn, den ihm die Stadt mit ihren kurzen Wegen bietet, sowie das Kulturleben und die Universität, die Menschen aus der ganzen Welt nach Süd-Niedersachsen holt.

1 Kommentar

  1. Manfred Globisch 25. Januar 2016 um 21:50

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wo genau befand oder befindet sich der „von ihm festgelegte Nullpunkt des Königreichs Hannover“ und kann man diesen Punkt heute noch besichtigen ?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Manfred Globisch