Permalink

1

Geheimnisvolle Lichtsignale: der Gauß-Weber-Lasertelegraph von Göttingen

Foto: Wolfgang Beisert

Foto: Wolfgang Beisert

Diese grünen Lichtblitze am Nachthimmel hat bestimmt jeder Göttinger schon einmal gesehen. Aber habt ihr euch auch schon einmal gefragt, was das soll? In den Lichtblitzen, die in Wahrheit Laserstrahlen sind, ist nämlich eine Botschaft versteckt – aber der Reihe nach:

Der Laser erinnert an den allerersten elektromagnetischen Telegraphen der Welt, den Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber hier in Göttingen 1833 in Betrieb nahmen. Sie spannten heimlich eine Drahtleitung von der Sternwarte über das Accouchierhaus (Ecke Hospitalstraße, Kurze Geismar Straße) und die Johanniskirche bis zum physikalischen Kabinett am Papendiek, um Botschaften in Form von elektromagnetischen Impulsen über den Draht zu schicken. Die Geburtsstunde unserer modernen Telekommunikation!

Grundriss von Göttingen mit der Gauß-Weber-Telegraphenleitung

Grundriss von Göttingen mit der Gauß-Weber-Telegraphenleitung

Gauß und Weber waren aber nicht an der Vermarktung ihrer revolutionären Kommunikationsform interessiert, da sie für die beiden Wissenschaftler wohl eher ein Abfallprodukt ihrer eigentlichen Forschung zum Erdmagnetismus war. Die erste Nachricht könnte gewesen sein: „wissen vor meinen sein vor scheinen“.

Die ursprüngliche Version der Leitung war übrigens ziemlich instabil: Vögel und Wind führten immer wieder zu Drahtbruch. Ein paar Wochen nach ihrem ersten erfolgreichen Versuch ließen sich Gauß und Weber die Leitung offiziell genehmigen (die Urkunde dazu gibt es im Gauß-Haus an der Erdbebenwarte zu sehen) und stiegen auf eine stabilerer Version um, die bis zu einem Blitzeinschlag im Jahre 1845 über den Dächern der Stadt hing.

Der Gauß-Weber-Code

Der Gauß-Weber-Code: + steht für kurze, – für lange Impulse

Um an diese erste Telegraphenleitung zu erinnern, installierte Measurement Valley, der Verband lokaler Messtechnikunternehmen, 2007 auf dem Dach der Volksbank den grünen Laser, der jeden Abend in Richtung Sternwarte und Johanniskirche durch eine Abfolge von kurzen und langen Signalen eine verschlüsselte Botschaft sendet. Wer allerdings versucht, diese Botschaft mit dem bekannten Morsecode zu entschlüsseln, wird kläglich scheitern: Man benötigt den von Gauß und Weber benutzen Schlüssel.

Die Nachricht beginnt jeden Abend zur übernächsten vollen Stunde nach Sonnenuntergang und wiederholt sich zwei Stunden lang. Einen Monat lang wird dieselbe Botschaft geschickt und an jedem Ersten des nachfolgenden Monats aufgelöst. Die genauen Anfangszeiten für jeden Monat und mehr Details findet ihr auf der Webseite des Measurement Valleys.

Gute Positionen, um die Botschaft zu entschlüsseln, sind zum Beispiel auf dem Wochenmarkt und am Gänseliesel. Nehmt etwas zu schreiben und einen Freund mit – die Aufnahmefunktion eures Handys ersetzt notfalls beides. Es lohnt sich!

Sehr viel Spaß beim Knacken der Geheimbotschaft!

P.S.: Allen Audio-Fans legen wir das Göttinger Hörspiel „Der Gauß Code“ ans Herz. Es erzählt die abenteuerliche Geschichte von Pia, die auch nur mal kurz die Laserbotschaft entschlüsseln wollte und dann um ihr Leben fürchten muss. Sehr unterhaltsam!